Waldmeister hat gerade Saison

Waldmeister auf dem Markt

Giftig, grün und lecker

Wenn man die vielzitierte „Generation Golf“ nach dem Geschmack ihrer Kindheit fragt, werden viele sicher sofort sagen: Waldmeister! Dass es sich bei dem Geschmack von quietschgrünem Wassereis, Wackelpudding und Trinksirup in den ’70ern und ’80ern meist eher um die Chemikalie „6-Methylcumarin“gehandelt haben dürfte als um echtes Waldmeisteraroma ist wohl ein Grund dafür, dass der Kram dann irgendwann aus der Mode gekommen ist.

Heute sind die Kinder der ’70er und ’80er im typischen „hach, ja, damals-Alter“ und auf der Suche nach genau diesen Gerüchen und Geschmäckern ihrer Kindheit. Und finden – zum Glück diesmal echten – Waldmeister momentan an gut sortierten Wochenmarktständen, denn er hat gerade Hochsaison. Dort weckt das unscheinbare Grünzeug aus der Gattung der Labkräuter jetzt auch direkt die volle Aufmerksamkeit. „Ach, so sieht das aus?“, hört man und „Das probiere ich jetzt aber mal aus!“

„Die Waldmeistersaison ist kurz (Mai bis Juni) und viele verwechseln die Pflanze mit Klettkraut, das fast genauso aussieht, aber kein Aroma hat“, erklärt der Händler. „Auch frischer Waldmeister ist arm an Duft und Geschmack, deswegen verwenden ihn viele nicht, oder nicht richtig. Sein typisches Aroma entsteht erst – das muss man beim Einkauf mit einplanen – wenn er etwas angetrocknet ist.“ Dann sei Waldmeister bestens geeignet zur Herstellung von Sirup, Süßspeisen oder der zu dieser Jahreszeit beliebten Maibowle (testen Sie unbedingt mal unser Rezept!).

Auch in der herzhaften Küche wird Waldmeister zunehmend eingesetzt, sein spezielles, leicht blumiges Aroma passt gut zu hellem Fleisch und Fisch, man kann ihn aber auch gut zu Salaten geben oder – passend zur Jahreszeit – in einer Vinaigrette an kaltem Spargel servieren.

Übertreiben sollte man es aber nicht: Das im Waldmeister enthaltene und geschmackstragende Cumarin ist leicht giftig ist und kann zu Kopfschmerzen führen. Richtig dosiert allerdings, soll Waldmeister, zum Beispiel als Tee aufgegossen, gegen allerlei Beschwerden rund um Magen, Leber und Herz helfen. Und angeblich lassen sich mit ihm Hexen verjagen – was wiederum die Kinder der heutigen Generation freuen dürfte.

Rezept für Waldmeisterbowle

Zutaten:

1 Flasche trockenen Riesling, gekühlt (alternativ: Apfelsaft)

1 Flasche trockenen Sekt, gekühlt (alternativ: Mineralwasser mit viel Kohlensäure)

1 Bund Waldmeister, mindestens ein Tag lang angewelkt

Zubereitung

Den Wein in ein passendes Bowlegefäß geben und den Waldmeister an den Stielen zu einem Sträußchen zusammenbinden. Das Kraut hängt man dann „über Kopf“ in den Wein hinein, zum Beispiel an einem Kochlöffel. Wichtig ist, dass die Stielenden nicht untertauchen, sonst wird es bitter!

Je nach Geschmack kann man das jetzt eine halbe bis zwei Stunden im Kühlschrank ziehen lassen. Danach wird mit Sekt aufgegossen und fertig ist die Waldmeisterbowle.

Der Artikel Artikel erschien zuerst in der HALLO Münster vom 5.6.2016 und ist Teil der Serie „Marktküche“.