»Critical Mass«

Critical Mass Münster

Münsters Radler »gehen« auf die Straße

Münster gilt als Fahrradhauptstadt Deutschlands und vielen damit automatisch als Vorbild. In der Realität sieht so Manches anders aus: Die benutzungspflichtigen Radwege sind oft eng, in teilweise miserablem Zustand, nach einem Wochenende vielerorts übersät mit Scherben und werden allzu gerne zugeparkt oder -gestellt.

Dass man dort bei voller Fahrt zudem unentwegt mit orientierungslosen Fußgängern, aufklappenden Autotüren oder gleich ganzen abbiegenden Kraftfahrzeugen rechnen muss, ist für keinen Münsteraner Radler eine Neuigkeit. Der freut sich vielmehr, wenn er es mal wieder lebend durch den Kreisverkehr geschafft hat. Man muss festhalten: In Münster wird nicht unbedingt wegen, sondern eher trotz der Verkehrssituation so viel Fahrrad gefahren. Darauf aufmerksam machen möchten die Initiatoren der „Critical Mass“. Mit regelmäßigem Pulkradeln auch auf Münsters Straßen soll die Botschaft überbracht werden: „Wir blockieren nicht den Verkehr – wir sind der Verkehr!“

Ansatz aus den 90ern

Der Ansatz wurde in den 90er Jahren in den USA geboren und ist dann – wie so oft – erst einmal nach Berlin übergeschwappt. Die Idee ist, dass die Rückeroberung der Straße durch die Fahrradfahrer möglich ist, sobald eben diese „kritische Masse“ an Radlern erreicht wird. Denn ironischerweise war die Erfindung der klassischen Radwege neben dem Fußgängerweg – wie sie in Münster heute noch üblich sind – keine zum Schutz der Radler, sondern vielmehr eine aus der Ära „Freie Fahrt für freie Bürger“, also um die lästigen Radler aus dem Verkehr zu ziehen. Genau das gilt den meisten Verkehrsexperten mittlerweile als großer Irrtum. So auch den Befürwortern der Critical Mass, darunter auch der ADFC. Heute gibt es in Deutschland zahlreiche Veranstaltungen dieser Art, in Berlin und Hamburg sind Teilnehmerzahlen im vierstelligen Bereich nicht unüblich, Partycharakter mittlerweile inklusive. In Deutschlands „Fahrradhauptstadt“ hat es mal wieder etwas länger gedauert, aber seit diesem Frühjahr gibt es auch in Münster Critical-Mass-Ausfahrten, durch die Signale in der öffentlichen Wahrnehmung gesetzt werden sollen.

Critical Mass Münster

Heute war es wieder so weit: Circa 90 Radler trafen sich um 17:30 Uhr vor dem Schloss – schon deutlich mehr als beim letzten Pulkradeln – und machten sich gemeinsam auf den Weg zu einer gemütlichen Runde durch Münster. Zunächst etwas ungewohnt, schnell aber total entspannt und in überraschendem Einklang mit dem restlichen Verkehr. Künftig soll an jedem letzten Freitag im Monat „kritisch“ durch die Stadt geradelt werden. Die „Masse“ der Radler in Münster ist dann herzlich eingeladen.

Weitere Beiträge zum Thema:

http://aa-zoo.de/tag/critical-mass/
http://itstartedwithafight.de/2014/05/30/critical-mass-munster/
http://bakfietsblog.blogspot.de/p/critical-mass.html

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